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Di  18.03.2008 Landkreis / Sabine Kahrs
„Ich ziehe meinen Hut vor meiner Tochter“
Die tapfere Eileen wünscht sich so sehr, ihren Retter zu finden
 
„Eileen ist ein unglaublich tapferes Mädchen.“ Gerd Holzhauer ist beeindruckt und erschüttert zugleich. Seit Eileen aus Rethem an der Aller vor fast drei Jahren als Fünfjährige lebensbedrohlich an Leukämie erkrankte, steht der für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ehrenamtlich engagierte Ritterhuder mit Eileens verzweifelten Eltern in Kontakt und sucht über öffentliche Informationskampagnen und Bluttyisierungsaktionen händeringend nach einem Stammzellenspender für die Kleine. Denn das ist ihre einzige Chance zu überleben. In den vergangenen drei Jahren erlebte Gerd Holzhauer den Leidensweg der heute achtjährigen Grundschülerin mit. „Alle drei Monate muss Eileen zu einer Knochenmarkspunktion. Eine Prozedur unter Vollnarkose zur Auszählung der Krebszellen“, erklärt Holzhauer im Gespräch mit dem ANZEIGER. „Jedes halbe Jahr muss vom Beckenkamm etwas Knochen abgeschabt werden und jeden Tag muss Eileen Tabletten nehmen. Es ist ein Medikament, das Eileen am Leben hält.” Ihre Werte sind derzeit erfreulich gut. Aber auf lange Sicht ist die Medikamentengabe keine Lösung. Sie hält den aggressiven Blutkrebs bestenfalls etwas in Schach. Gesund wird Eileen davon keinesfalls. „Die Krankheit ist eine tickende Zeitbombe. Keiner weiß, wie lange das Medikament anschlägt“, sagt Gerd Holzhauer schonungslos. Genetischer Zwilling gesucht „Eileen ist in ihrem Wachstum gegenüber ihren Drillingsschwestern Sharon und Jamie weit zurück“, beschreibt Gerd Holzhauer ein sichtbares Zeichen der Krankheit und der damit verbundenen Behandlung. Es muss dringend ein Stammzellenspender für Eileen gefunden werden, der die gleichen seltenen Gewebemerkmale aufweist, wie sie sie hat. Gesucht wird nach einem so genannten genetischen Zwilling. Über eine Bluttypisierung, eine Laboruntersuchung, kann dieser genetische Zwilling gefunden werden. Dazu ist ein harmloser kleiner Pieks zur Blutentnahme nötig. Vielfach reicht sogar schon ein Speicheltest. Die Suche geht weiter. Jeder, der sich für eine Typisierung und zur Aufnahme in die DKMS zur Verfügung stellt, kann für Eileen oder für einen anderen an Leukämie Erkrankten zum Lebensretter werden. Weltweit werden die Werte von fast 12 Millionen potentiellen Rettern, in verschiedenen Dateien registriert, und mit denen der weltweit vielen Erkrankten abgeglichen. Alle 45 Minuten erhält in Deutschland ein Patient die vernichtende Diagnose „Leukämie“. Hoffnung auf den erlösenden Anruf Für viele ist, so wie für Eileen, eine Stammzellenspende die einzige Chance auf Leben. „Wir freuen uns mit jedem Erkrankten, der seinen genetischen Zwilling findet, weil sich jemand für Eileen typisieren ließ“, sagt Eileens Mutter dem ANZEIGER und erzählt von einem erkrankten Familienvater der das große Glück hatte. Sie kann ermessen und nachfühlen, welche Freude es sein muss, wenn der erlösende Anruf kommt und hofft, dies schon bald selber erleben zu dürfen. Während der potentielle Retter gesucht wird, beeindruckt die kleine Eileen die Menschen in ihrem Umfeld - selbst Krankenhauspersonal - weiter mit ihrer Tapferkeit und ihrer Zuversicht. „Ich ziehe den Hut vor meiner Tochter“, so Eileens Mutter. Statt zu weinen, tröstet Eileen die, die ihretwegen traurig und verzweifelt sind und steckt die Torturen der Untersuchungen mit Routine und Fröhlichkeit weg. Sie geht gern in die Schule. Ihr größter Wunsch ist es, gesund zu werden und irgendwann eine erwachsene Frau, wie ihre Mama zu sein. Die Tragik einer Krankengeschichte Tausende haben schon ein kleines Röhrchen Blut für Eileen gegeben. Doch bis jetzt war kein geeigneter Stammzellenspender dabei. Die Tragik von Eileens Krankheitsgeschichte ist, dass sich auch kein genetischer Zwilling unter ihren Verwandten und Familienangehörigen befindet. Selbst die Gewebemerkmale ihrer beiden Drillingsschwestern passen nicht zu den Ihren. „Die Drillinge sind nicht eineiig, sondern zweieiig”, klärt Gerd Holzhauer auf. Während normalerweise die Chancen für einen Leukämiepatienten 1 : 20.000 stehen, einen Stammzellenspender zu finden, liegen die Chancen für Eileens seltene Merkmale bei eins zu mehreren Millionen. Es wird also nicht leicht, einen Retter zu finden. Gruselige Gerüchte Dazu kommt, dass viele Menschen von einer Typisierung nichts wissen wollen, da sie sich fürchten, Stammzellenspender - oder wie man so schön sagt: Knochenmarkspender - zu werden. Immer noch kursieren gruselige Geschichten, es würde operativ Rückenmark entnommen, wenn man als Spender in Frage käme. Aufklärung tut also immer noch Not. „In den allermeisten Fällen kommt es heute zu einer peripheren Stammzellenentnahme”, so Gerd Holzhauer. Ambulant werden dabei ohne Narkose Stammzellen aus dem Blut gesammelt. Das ist nicht aufregender, als eine Blutspende. Nur in sehr seltenen Fällen ist es heute noch nötig, unter Vollnarkose einen Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm zu entnehmen. Und schon mal gar kein Rückenmark! „Das Risiko ist sehr gering”, weiß Holzhauer und hörte, dass lediglich ein schnell vergängliches Gefühl von Muskelkater zurückbleibt. Das Knochenmark eines gesunden Menschen hat sich innerhalb von zwei Wochen wieder neu gebildet. Ein Klacks, wenn man bedenkt, was die kleine Eileen durchmacht und wie ihre Familie um sie bangt. Weitere Infos gibt es auf den Internetseiten: www.eileen-soll-leben.de und www.dkms.de Gerd Holzhauer plant derweil weitere Bluttypisierungsaktionen und Informaitonskampagnen, um gesunde Typisierungswillige im Alter von 18 bis 55 Jahren zu finden. Wer bis dahin nicht warten möchte, kann ihn werktäglich von 8 bis 17 Uhr unter der Handy-Nummer 0151 / 190 232 50 erreichen.
 
 
 

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