23.02.2016 Bremervörde Von: Lutz Schadeck
Blick hinter die Kulissen - Kreisarchiv öffnet seine Türen

Von Findorff-Karten bis Ahnenforschung

Einen nicht alltäglichen Blick in die Vergangenheit durch Original-Dokumenten und Kartenmaterialien kann man am 5. März im Kreisarchiv am Tag der offenen Tür.

Hier lagern wohlgeordnet und sortiert über 300 Jahre Kreisgeschichte in gut 2,3 Kilometer laufenden Regalmetern. Den Überblick haben der Kreisarchivar Sönke Kosicki, der Historiker Henning Müller und die Verwaltungsangestellte Anke Schriefer. Die Drei werden auch am Tag der Archive, dem Tag der offenen Tür mit spannenden Einblicken den Besuchern das eine oder andere Schätzchen zeigen.

So gibt es zum Beispiel Original-Zeichnungen von Jürgen Christian Findorff, dem Moorkommissar, der ja wesentlich zur Kolonialisierung auch in den Moorgebieten um Bremervörde beigetragen hat. Von ganz anderem Interesse dürften die Personenstandsregister der verschiedenen Standesämter sein. Da findet sich dann auch schon mal die Unterschrift von Wilhelm Busch als Trauzeuge in Bremervörde. Wer das bislang für eine Mär hielt: Hier liegt der Beweis, dass er tatsächlich hier war. Wer mal in Bremervörder Zeitungen der letzten 100 Jahre stöbern will - hier wird er fündig. Ja selbst Familienforschung kann hier betrieben und die Frage „Wer waren meine Vorfahren?" geklärt werden.

Wer Glück hat, dem zeigt Kreisarchivar Sönke Kosicki den originalen Bremervörder Stadtrechtskodex aus dem 15. Jahrhundert. Darin blättern kann man nicht. Aber es gibt einen Nachdruck, in dem die Seiten originalgetreu abgebildet sind.

Wer nun meint, das alles ist doch mehr etwas für Forscher und Wissenschaftler, wird positiv überrascht. Denn jeder kann hier Einblick nehmen. Vom Schüler, der eine Facharbeit ausarbeiten muss, bis hin zum privaten Heimatforscher. Nun ist es nicht so, dass man sich da durch verstaubte Regale kämpfen muss. In zwei Stockwerken sind in modernen Archivregalen die mehr als 55.000 Dokumente und Bände gelagert. Falls es Probleme mit der altdeutschen Schrift Sütterlin gibt, auch da helfen die Mitarbeiter des Kreisarchivs gern weiter. Kosicki: „Wir sehen uns als Dienstleister sowohl für den Landkreis und auch nach außen." Man ist dabei auch durchaus offen für eine ausbaufähige Zusammenarbeit mit Schulen. In Kürze wird sogar ein Zugriff auf den Bestand via Internet möglich sein. Etliche Dokumente sind schon erfasst.

Apropos Dokumente. Wer selber Sammlungen historischer Unterlagen hat, alte Fotos zum Beispiel, kann sich gern einmal mit den Mitarbeitern des Kreisarchivs zusammensetzen und eventuell die Sammlungen begutachten lassen. Letztlich besteht dadurch sogar die Möglichkeit, mit seinem Material die hier untergebrachte Kreisgeschichte zu ergänzen.

Die üblichen Öffnungszeiten sind dienstags und mittwochs jeweils von 8 bis 16 Uhr. Am Tag der offenen Tür steht diese am 5. März zwischen 10 und 16 Uhr offen. Einen Blick hinter die Kulissen kann man bei den öffentlichen Führungen um 11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr werfen. Die Veranstalter bitten dazu um Voranmeldungen. Aber auch spontane Besucher sind willkommen. Das Kreisarchiv in Bremervörde findet man in der Bremer Straße 38, Ecke Am Bahnhof.