01.04.2016 Elm Von: Kim Wengoborski
Galerie drohte zu verrotten / Verein setzt sich für Mühle ein

Ein neuer Rock für „Henriette“

Die alte Galerie der Elmer Mühle drohte zu verrotten. Der Mühlenverein sah sich zum Handeln gezwungen und warb um Spenden für eine neue Galerie.

Das rund 50.000 Euro teure Stück wird in den kommenden Tagen fertiggestellt. "Konkrete Einsturzgefahr bestand noch nicht, aber alles andere wäre nur Flickwerk gewesen", sagt Joachim Böckmann, Vorsitzender des Mühlenvereins. Im vergangenen Jahr war der Wunsch nach einer neuen Galerie bei den Mitgliedern des Mühlenvereins stetig dringlicher geworden. Einige Verbindungsstücke moderten bereit. Bei feuchtem Wetter musste die Galerie gesperrt werden, weil die Holzplanken glatt wie mit Seife beschmiert waren.

Der Handwerker des Vereins, Jürgen Brümmer, flickte, wo es möglich war, doch schnell hatte er die Grenzen des Machbaren erreicht.

Böckmann fragte seine Tochter um Rat. Die Architektin schaute sich das Gebäude an und erstellte für den Mühlenverein kostenlos ein „Mini-Gutachten". Auf dieses Gutachten hin entschied sich der Verein im vergangenen Herbst zu handeln. Etliche Helfer packten mit an, als die alte Galerie im Oktober abgerissen wurde. Während draußen bei starkem Regen die Balken fielen, bereiteten die Frauen drinnen ein stärkendes Mahl zu.

Zahlreiche Unterstützer aus der Region hatten zu diesem Zeitpunkt bereits zugesagt, das Projekt finanziell zu unterstützen. Das kleine aber professionelle Gutachten von Lena Böckmann hatte sie überzeugt. Unter den Spendern sind die Elmer Bürger-Stiftung, die Paul-Gerhard-Stiftung und der Geschichts- und Heimatverein. Hinzu kommen Spenden von Unternehmen aus der Region, von der Stadt Bremervörde und dem Landkreis Rotenburg (Wümme) sowie von etlichen Privatpersonen. „Wir haben auch eine sehr große anonyme Spende erhalten", sagt Joachim Böckmann stolz. Theoretisch sollte die Summe reichen. „Wenn aber einer abspringt, haben wir ein Problem", fügt Böckmann hinzu.

Die Holländer Mühle Henriette ist heute im Besitz des Ehepaars Karin und Ralph Schmitz. Vor rund 300 Jahren wurde sie in Ovelgönne errichtet und kam 1870 per Floß über die Elbe und die Oste nach Elm, wo sie etwa ein Jahr später wieder in ihrer vollen Pracht bewundert werden konnte. Statt mit Wind wurde aber bald mit einem Motor gemahlen. „Das war erschwinglicher und die Müller hatten regelmäßige Arbeitszeiten. Vorher hatten sie sich immer nach dem Wind richten müssen", erläutert Böckmann.

„Alleine könnte man so eine Mühle kaum erhalten, dafür braucht es einen Verein", sagt Karin Schmitz. Sie und ihr Mann freuen sich über das Engagement des Mühlenvereins.

Auf Anfrage führen die Mitglieder Interessierte durch die Mühle und auf die neue Galerie, zum Backhaus und in das Bäcker- sowie das Heimatmuseum. „Die Besucher wollen eigentlich immer auf die Galerie", erzählt Birgit Böckmann. Bei Veranstaltungen wie Goldenen Hochzeiten werde oft nach einem Abstecher auf die Galerie gefragt.

Auch für Spaziergänger und Radfahrer, die sich auf den Nordpfad begeben wollen, ist „Henriette" ein Hingucker. Immer mal wieder wählen sie die Telefonnummer auf dem Schild, das an der Mühle angebracht ist, und bitten um eine spontane Führung. „Wenn wir Zeit haben, kommen wir natürlich gerne rum", sagt Joachim Böckmann.

Angemeldete Führungen auf die Galerie sind demnächst wieder möglich. Der Mühlenverein ist dringend auf Unterstützer, ob als helfendes Vereinsmitglied oder durch Spenden, angewiesen. Weitere Infos gibt Joachim Böckmann unter Telefon 04761/5979.