09.09.2016 Alfstedt Von: Ute Mahler-Leddin
Gut besuchte Vernissage in Alfstedt

Bildgewordene Ideen in „De Möhl“

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals zeigt die der Mühlenverein in der historischen Wassermühle "De Möhl" die Ausstellung eines regionalen Künstlers.

Bereits vor fünf Jahren stellte der Ebersdorfer Dietmar Kriegel seine Bilder in der Wassermühle aus. „Wir freuen uns junge, aufstrebende Talente wiederholt zu uns einzuladen, um die Entwicklung des Künstlers zu verfolgen", sagte der erste Vorsitzende des Mühlenvereins, Matthias Steffens, schmunzelnd bei der sehr gut besuchten Vernissage am Donnerstagabend und verglich die Arbeit eines Malers mit der eines Handwerkers und Poeten in einem. „Kriegels Werke sind bunter und abstrakter geworden - hier kommt der Poet durch." Steffens lobte auch das ehrenamtliche Engagement des pensionierten Ebersdorfer Lehrers, der sich zurzeit verstärkt um die Sprachbildung und Integration von Flüchtlingen kümmert.

Dietmar Kriegels Ausstellung läuft unter dem Namen „Bildgewordene Ideen - Gedanken - Visionen" und so nutzte der anwesende Künstler die Gelegenheit, seinen Besuchern drei seiner Werke näher zu bringen. „Vielleicht weil ich Lehrer war und immer noch bin, möchte ich Ihnen den Einstieg in die Kunst erleichtern. Gegenstandslose Kunst ist schwerer zu verstehen - sie ist aber um ein Vielfaches reizvoller", sagte der ehemalige Realschullehrer der Findorff-Realschule in Bremervörde.

Die Freiheit in seinen Werken und das Zusammenspiel von Kleinigkeiten machen den ganz besonderen Charme von Kriegels Bildern aus, so setzt er bewusst ein Eichenblatt dimensional in den Vordergrund einer Kirche, um Stärke zu symbolisieren, daneben findet aber auch ein etwas dezenteres Ahornblatt Platz, das als Symbol für das Leben zu sehen ist. Konträr dazu die Schriftzeichen am oberen Bildrand in verschiedenen Farben und Intensitäten. Geschickt lenkt der Künstler mit platzierten Hinguckern den Blick auf bestimmte Punkte im Bild und eröffnet neue Sichtweisen auf das beeindruckende Werk. Kriegel fordert die Besucher auf, genauer hinzugucken und Kleinigkeiten und damit Geheimnisse zu entdecken.

Ein ganz anderes Genre zeigt das Werk über die Erfahrungen Kriegels aus der Flüchtlingskrise. Viele bunte Tupfer auf einem Bild erinnern ein wenig an den „rot-grün" Sehtest. Das ist auch beabsichtigt, verrät Kriegel, doch die Farben sind intensiver und die Punkte nicht so dicht. Unterschiedliche Menschen sollen durch die verschiedenen Punkte symbolisiert werden. Genau platzierte Highlights hingegen zeigen dem aufmerksamen Betrachter ein Wort aus der Flüchtlingswelt auf.

Das beeindruckendste Werk der Vorstellungsrunde ist der Blick in eine Fantasiewelt, die dem Zuschauer eine große Bandbreite an Visionen zeigt. Décalcomanie heißt die Kunsttechnik, die Kriegel auf einer großen Leinwand anwendet. Ein Spiel mit Formen und Farben, eine Art der Ölmalerei, aber „mager" gearbeitet und somit extrem zeitintensiv, verrät der Künstler. Bei der Décalcomanie wird zuerst der Abdruck beziehungsweise der Abklatsch vorgenommen. Bei einer großen Leinwand sogar in vielen kleinen Formaten. Anschließend beginnt die zweite Phase, die Malerei, und die nimmt viel Zeit in Anspruch. Manchmal entdeckt Kriegel während der Bearbeitung Neues in seinem eigenen Werk, das er durch geschickte Pinselstriche zum Leben erweckt. „Elefanten und Pferde, Ritter - ja und Mystik", sind die Entdeckungen aus dem Zuschauerraum.

Eine überzeugende Vernissage eines regionalen Künstlers, der viele Betrachter in seinen Bann zog und zu informativen Gesprächen und Diskussionen anregte.

Am heutigen Sonntag ist die Ausstellung von 11 bis 18 Uhr in der Alfstedter Wassermühle „De Möhl" geöffnet.