24.01.2017 Sandbostel Von: Ingrid Mahnken
Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Vereins Gedenkstätte Sandbostel

Geschichte bewusst machen

Seit 25 Jahren arbeiten sie gegen das Vergessen: Die Mitglieder des Vereins der Gedenkstätte Sandbostel.

Am 16. Januar 1992 wurde der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel gegründet. Er war ein wichtiger Akteur auf dem Weg zu der heutigen Gedenkstätte Lager Sandbostel und soll an die Menschen, die im Stalag XB Sandbostel gelitten haben und gestorben sind, erinnern.

Zum 25-jährigen Bestehen konnte der Vorsitzende Dr. Klaus Volland trotz Kälte und Glätte zahlreiche Gäste und Ehrengäste im Ostel Jugendhotel in Bremervörde begrüßen.

Am Anfang stand ein Buch, das er zusammen mit Werner Borgsen geschrieben hatte, erzählte Dr. Volland. Ziel war es, die Geschichte des Lagers Sandbostel anhand der damals ermittelbaren Quellen und mit der Hilfe von Zeitzeugenaussagen aufzuarbeiten. Titel: „Stalag XB Sandbostel". 1991 erschienen, war es die erste wissenschaftliche Monografie über ein deutsches Kriegsgefangenenlager. Das war der Auftakt zu einer Gründungsversammlung des Vereins „Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel".

Seit 2004 ist der mittlerweile in Gedenkstättenverein Sandbostel umbenannte Verein einer von neun Trägern der Stiftung Lager Sandbostel. Volland erinnert sich: „Zunächst von manchen Lokalpolitikern misstrauisch beäugt, fuhren wir mit einer Wanderausstellung über die Dörfer, boten Führungen in Sandbostel an, organisierten Sonderausstellungen, Lesungen, machten archäologische Grabungen auf dem Lagergelände und führten seit 1994 die alljährliche Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Befreiung des Lagers Sandbostel durch." Mittlerweile hat der Verein Kontakt zu vielen anderen Gedenkstätten und Menschen aus aller Welt.

Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte war im Jahre 2013 die Errichtung einer Gedenkstätte auf dem historischen Lagergelände des Stalag XB mit einer Ausstellung die wissenschaftlichen Standards genügt und die Etablierung einer nachhaltigen Vermittlungsarbeit der Gedenkstätte beinhaltet. Auch für die Erweiterung des Stiftungsgeländes durch den Erwerb des „Edelmmann`schen" Restgeländes hat sich der Verein hartnäckig und erfolgreich eingesetzt. Aktuell setzt sich der Verein mit der Gedenkstätte für ein Informationsleitsystem auf dem historischen Gesamtgelände der Stalag XB sowie für die Rettung der weltweit einmaligen Überreste des deutschen Kriegsgefangenenlagers in Sandbostel ein.

Lobende Worte fand Professor Rolf Wernstedt, Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge für den Gedenkstättenverein. Es gebe bundesweit keinen Ort, der sich so komplex wie der Gedenkstättenverein Sandbostel darstelle. Menschen seien nicht nur gut, sondern auch schlecht, und die deutsche Geschichte sei mehr als die beiden letzten Weltkriege. Und das seit nunmehr 70 Jahren Frieden herrsche, wertete er als großen Erfolg. Die Gedenkstätte in Sandbostel leiste einen wesentlichen Beitrag, dass die Gräueltaten der beiden letzten Kriege nicht in Vergessenheit geraten.

Ruth Gröne, Ehrenmitglied des Gedenkstättenvereins Sandbostel erinnerte in ihrem Grußwort daran, wie sie als jüdisches Kind den Krieg überlebt habe. Großen Dank, Lob und Anerkennung zollte sie den „mutigen Menschen", die sich dem Vermächtnis verpflichtet fühlten und mit Courage und Verantwortungsbewusstsein den Gedenkstättenverein für die Nachwelt erhalte.

Detlef Cordes, Vorsitzender der Stiftung Lager Sandbostel, erinnerte sich daran, dass die überwiegende Anzahl der Kommunalpolitiker zunächst viel getan hätten, um das Lager Sandbostel in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Gründer waren ständigen Repressalien ausgesetzt. Erst mit dem Landtagsabgeordneten Hans-Heinrich Ehlen trat eine Wende ein. Viele neue Überlegungen wurden angestellt, eine Gedenkstätte an einem authentischen Ort errichten. Unterdes ging der Verfall der Holzbaracken auf dem ehemaligen Kriegsgefangenen Lagergelände zwischen Brombeergestrüpp und Büschen weiter. Mit der Bildung eines Kuratoriums der Stiftung des Lagers Sandbostel im Jahre 2004 begann man mit den Reparaturarbeiten an den bestehenden Baracken und der Schaffung der Ausstellungsräume, die alljährlich von zahlreichen Schülern, Erwachsenen und ausländischen Besuchern aufgesucht wird. Cordes Resümee: „Ohne die Arbeit der zahlreichen ehrenamtlichen Mitglieder und Helfer wäre diese Mammutaufgabe nicht möglich gewesen.

Den Festvortrag unter dem Thema „Erkenntnis statt Bekenntnis" hielt Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten zur Zukunft der Gedenkstättenarbeit. Mit der differenzierten Auseinandersetzung der Täter- und Mittäterschaft im Umfeld der Lager sollte der Besucher der Gedenkstätten ohne den erhobenen Zeigefinger ermutigt werden, selbstkritisch seine eigene politische, ethische und soziale Haltung im heutigen Leben zu hinterfragen, erläuterte er.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Christina Schmidt Gitarre und Gesang.