11.07.2017 Plönjeshausen Von: Monika Hahn
Ralf Worringen las aus seinem Kriminalroman

Todesfall mit idyllischen Abschweifungen

Mit „MORS“ stellte Autor Ralf Worringen sein eher leises, aber gerade deshalb lesenswertes Buch vor.

Die gemütliche Atmosphäre des Apolonia Hus-Hofcafés lockte rund 35 neugierige Lesefreundinnen und -freunde zur „Autorenlesung und mehr". Sie alle waren gekommen, um spannende Auszüge aus dem in einem Dorf nahe des Teufelsmoores spielenden Krimi vom Autor persönlich vorgelesen zu bekommen.

Der Klappentext von „MORS" verspricht die Aufklärung eines mysteriösen Todesfalls: Der unbeliebte Störenfried des Dorfes liegt kopfüber in seiner Regentonne. Bei seinen Ermittlungen stößt Maximilian T. Voss auf eine sehr offene und auskunftsfreudige Dorfgemeinschaft, in der quasi jeder Dorfbewohner ein Tatmotiv gehabt hätte.

Doch Ralf Worringen wäre nicht „König der Abschweifung", wie er sich gleich zu Beginn selbst vorstellt, würde er nicht zunächst viele seiner Vorbilder, gewürzt mit biografischen Anekdoten, erklärend rezitieren. Ein wenig Geduld brauchte also, wer allein wegen des Vortrags der Passagen aus „MORS" den Weg nach Plönjeshausen gefunden hatte.

Inspiriert von Berühmtheiten wie Harry Rowohlt oder Douglas Adams und von seinem Leben als Zugezogener im liberalen aber sehr beschaulichen Plönjeshausen geprägt, entstand 2016 also „MORS".

Selbstverständlich waren an diesem Abend viele Anwohner Plönjeshausens gekommen, um die Lesung aufmerksam und vielleicht auch kritisch zu verfolgen. Ralf Worringen begann deshalb seinen Vortrag aus „MORS" mit dem Epilog und entschuldigte: „Um es mit meinem Lieblingsautor Frank Schulz zu sagen: Wer sich selbst erkennt, ist selber schuld".

Nun endlich stellte Ralf Worringen in der ersten vorgelesenen Passage seinen Ermittler Maximilian T. Voss vor: Das Publikum erfuhr aus dessen Ich-Perspektive, dass er kurz vor Weihnachten in das beschauliche Dorf „MORS" am Rande des Teufelsmoors gerufen wird. Aufgrund von Urlaubszeit und Krankheiten steht weder ein Dienstwagen noch ein Kollege zur Begleitung bereit. Mürrisch macht sich Voss in seinem alten Simca ohne Heizung auf den Weg, verfranzt sich und findet mehr zufällig sein Ziel. Die Zuhörer erfahren, dass Voss ein Misanthrop ist, grundsätzlich ungern nach Wegen und Lösungen fragt, inkonsequent ist und schlecht schläft. Aber auch, dass er sehr genau beobachtet, scharfe und schnelle Schlüsse zieht.

Ralf Worringen beschreibt stets die Umgebung und Szenerie, die Stimmung eines Ortes oder die inneren Gefühle seiner Protagonisten enorm detailliert. Immer wieder streut er dabei Verweise auf Werke aus Kunst und Populärkultur ein. Diese lassen auf die humanistische Bildung seines Ermittlers (oder auch des Autors) schließen. Diese Verweise sind sehr unterhaltsam, und kaum ein Leser wird sie alle erkennen. Das macht aber nichts, denn selten sind sie für das Vorankommen der Handlung von Relevanz.

Die bemerkenswerteste Szene aus Ralf Worringens Vortrag ist die, in der Ermittler Voss bei Herrmann Braun sitzt, und dieser ihm sehr anrührend seine Familiengeschichte erzählt. Diese enthält alle Tragik vergangener und moderner Zeiten: Früher gab es viele Kinder, aber auch viele, die ihre Kinder und Frauen zu Grabe tragen mussten. Herrmann selbst hat beide Kinder verloren und kam nie über den Verlust hinweg. Der Unfalltod seiner Tochter, davon ist er überzeugt, sei Schuld des Toten Franzkowskis gewesen.

Der besondere Reiz an der Lektüre von MORS dürfte in den liebevoll gezeichneten Charakteren und deren schicksalhaften Beziehungen zueinander liegen, die sich auch dem Ermittler erst nach und nach erschließen und den Todesfall lösen. Dabei kann der Leser immer wieder in schöne Bilder einer Dorfidylle eintauchen, in das Leben ihrer Bewohner in vergangenen und modernen Zeiten. Abschweifen eben.

Wer neugierig auf die Geschichte geworden ist, kann das Buch bei der Buchhandlung Morgenstern in Bremervörde, oder auch online unter der ISBN-10: 3742702173 bestellen.